Veröffentlicht in Leben und Entwicklung

Wachstumsschmerz

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Ich bin heute früh mit meiner Mutter am Strand entlang und über de Felder und Wiesen hier in Südschweden spaziert. Ja ich befinde mich gerade in Südschweden, um ein bisschen zu verschnaufen, Familie zu treffen und generell einfach ein bisschen Tapetenwechsel mitzunehmen. Es ist wunderschön mit meiner Mutter Zeit zu verbringen, wir gehen spazieren, reden über Einrichtung, Arbeit, Projekte (auch gemeinsame), Zukunftspläne, Träume und Wünsche, essen lecker und erleben was. Gestern waren wir in einem Second Hand Laden einer Hilfsorganisation und haben durch alle Abteilungen gestöbert und ein paar richtige Schätze gefunden. Darüber aber vielleicht wann anders mehr, wollte hier eigentlich nicht so über Mode und so schreiben, aber Pläne sind ja auch da um sie umzukrempeln und etwas anderes zu machen.

Was ich eigentlich erzählen wollte, also, wir haben heute früh noch vor dem Frühstück einen langen Spaziergang gemacht. Da hier ein kleines Naturschutzgebiet ist und die Felder fast bis zum Strand reichen, geht unsere Spaziergangsroute am Hafen vorbei, am Strand entlang und dann ins Land rein durch dieses kleine Naturschutzgebiet, einem kleinen Sumpf, an Feldern vorbei und vielen Bäumen und naturbelassenen Wiesen. Man hört Amseln, verschiedene Finken, Tauben, Möwen, Gänse und wenn man Glück hat Nachtigall und sogar Kuckuck. Als wir heute durch dieses wunderschöne Stück Natur gingen und sahen wie viel schon blühte und wo überall Knospen waren, kam mir die oben stehenden Zeilen in den Sinn.

Vor allem der letzte Satz hatte sich damals, als ich das Zitat zum ersten Mal gelesen hatte, sehr eingebrannt.

Für jemanden, der Wachstum nicht versteht, sieht es aus wie totale Zerstörung.

Am Dienstag, als ich hier ankam, war morgens noch Bodenfrost gewesen. Trotzdem blühten Schneeglöckchen, Löwenzahn, Gänseblümchen und Schlüsselblumen. Meine Mutter sagte etwas über die enorme Wachstumskraft und, dass die Blumen ja genau so sehr raus an die Sonne wollten wie wir. Ich dachte, ja, aber die kennen das ja noch gar nicht. Die wissen ja nicht wohin es sie führt oder was genau mit ihnen passiert wenn sie rauskommen. Sie wissen einfach nur, dass das ihr Weg ist. Und der Weg ist bestimmt nicht leicht und ganz gewiss nicht schmerzfrei.

Ich denke in letzter Zeit viel über Wachstum nach, über persönliches Wachstum hauptsächlich. Das hat damit zu tun, dass ich mich stark mit meinen Träumen und Visionen auseinandersetze. Ich glaube, das Leben ist zu kurz um das zu ignorieren, was in einem schlummert und ich möchte aus meinem Leben das absolut meiste rausholen, was möglich ist, und es währenddessen genießen was das Zeug hält. Ich glaube auch langsam zu verstehen, dass man sehr sehr vieles selber in der Hand hat und es meine eigene Einstellung ist, die mich hindert und nicht die Umstände, das Wetter, die anderen, das Leben, was auch immer. Und eine wichtige Erkenntnis, die ich für mich gemacht habe, und das ist eine sehr privilegierte Ansicht für die ich mich erstmal geschämt habe, dann aber realisiert habe, dass ich niemandem damit böses tue: Das Universum will mir Gutes. Es ist auf meiner Seite und es will, dass ich Erfüllung finde. Ob wir das nun Universum, Gott, Götter, Urkraft, Matrix, Schicksal, Karma oder sonstwie nennen ist meiner Meinung nach egal. Hauptsache es hilft uns und führt dazu, dass wir uns auch anderen gegenüber besser verhalten. Wem es hilft, daran zu glauben, dass da gar nichts ist und alles rein zufällig passiert, der soll das tun. Vollkommen in Ordnung, jeder Mensch ist frei. Ich brauche etwas, woran ich glauben kann. Wo ich meine Stoßgebete hinschicken kann, meine Dankeschöns und meine Bitten. Und Universum ist für mich der beste Bereich. Eigentlich stelle ich mir eine liebevolle Mutter vor, die das beste für uns will, aber uns nicht kontrolliert, sondern möchte, dass wir selber unseren Weg finden. Sie zeigt uns alles, gibt uns Anstöße, zwingt uns manchmal zum Hinterfragen und wenn wir richtig großen Mist bauen, lässt sie uns das auch ein bisschen spüren. Sie lehrt uns, ist immer für uns da, ist liebevoll und weiß immer was das beste für uns ist. Sie weiß aber auch, dass je mehr sie uns versucht zu kontrollieren, umso mehr werden wir ausbrechen und uns distanzieren. Wir sind wie trotzige Teenager. Für mich funktioniert dieses Bild unheimlich gut, weil es mit meinem Leben und meinen Erfahrungen übereinstimmt, ich glaube aber, dass diese Kraft gar keine Form hat, sondern sich jeder sein eigenes Bild bauen kann und soll.

Zurück zum Wachstum. Seit einigen Monaten beschäftige ich mich sehr stark mit dem Thema Selbstliebe unter anderem, das hängt ja irgendwie alles zusammen. Wenn ich meine ganze Energie schon damit verschwende mein Spiegelbild zu kritisieren, mich fett und hässlich zu finden, dann hab ich gar keine Energie mehr um meine Ziele zu verfolgen. Der größte Ausschlaggeber war aber mein Herzensmensch, der sagte „Es macht mich so kaputt, ich sehe dich an und sehe die schönste Frau der Welt und du sagst so böse Sachen über sie. Das tut so weh.“ Da war für mich klar, dass ich etwas ändern musste, mich würde es nämlich richtig wütend machen wenn er über sich so etwas sagen würde. Also richtig wütend.

Also habe ich angefangen Bücher zu lesen, Podcasts zu hören und mir selber Affirmationen zu sagen. Automatisch begann ich dann auch mich mit dem Rest von mir auseinander zu setzen, weil ich merkte, dass es ja nicht nur mein Aussehen war, mit dem ich unzufrieden war, sondern es war auch das, was ich verkörperte, ausstrahlte. Also begann ich mich auch mit meinen Träumen, Zielen, Möglichkeiten, Visionen auseinander zu setzen, meinen Alltag zu verändern, meine Einstellung zu verändern und möglichst oft danach zu handeln.

Das klingt jetzt vielleicht als hätte ich DIE große Erleuchtung gehabt und als wäre ich jetzt ein anderer und besserer Mensch. Nein. So ist es natürlich nicht. Aber ich merke Unterschiede und ich komme näher an den Menschen, den ich sein möchte.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist, dass diese Veränderung weh tut und schwierig ist. Ich kann mich nicht mehr in meinem muckeligen Sumpf aus Selbstmitleid und Mittelmäßigkeit verkriechen. Das funktioniert nicht. Ich kann mich auch nicht in meiner Unzufriedenheit ausruhen. Das möchte ich ja auch nicht, aber sich jeden Tag dagegen entscheiden mehr vom Negativen als vom Positiven zu sehen, kostet Überwindung. Die Dankbarkeit überfordert. Es ist (für mich zumindest) leichter gewesen mit Unzufriedenheit umzugehen und die zu ertragen, als diese Dankbarkeit. Ich bin oft überwältigt von der Dankbarkeit. Das ist nichts schlechtes, aber ich muss erstmal lernen damit umzugehen. Wenn man sensibel ist, sind große Gefühle immer schwierig und anstrengend, egal wie positiv sie sind. Es gibt Menschen, in meiner Umgebung, die damit nicht umgehen können. Mit denen ich kein Gesprächsthema habe, wenn wir uns nicht gegenseitig darin bestärken können wie gemein und unfair das Leben ist. Es tut weh, das zu merken.

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder dasselbe zu tun und andere Ergebnisse zu erhoffen. – Albert Einstein

Der Frühling ist die beste Zeit um in der Natur den Prozess des Wachstums zu beobachten. Stell dir vor du bist ein Samen. Du bist tief in der Erde, es ist kalt, dunkel, feucht. Du beginnst, ganz vorsichtig Wurzeln auszustrecken, schaust was in der Umgebung so ist. Da ist es auch kalt, dunkel, feucht. Du spürst, dass nach oben hin etwas anders ist. Irgendetwas dort lockt dich, du streckst dich langsam, langsam nach oben, merkst immer mehr, dass es da wärmer ist. Du weißt aber nicht, was dich erwartet. Plötzlich kommst du raus und es ist alles anders als alles, was du kennst. Es ist hell, trocken, sonnig, vielleicht kommt Regen, was sich ganz anders anfühlt als die Feuchtigkeit, die im Boden war. Gehst du weiter, oder gehst du zurück? Die Pflanzen, die sich entscheiden zurück zu gehen, gehen ein. Denn da ist kein Weg. Das gleiche passiert wenn wir stehen bleiben. Wenn wir uns nicht trauen auf unseren inneren Kompass zu hören.

Hab ein wundervolles Wochenende!

Liebe

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